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Der
Traum vom Eigenheim wird teurer (23. März 2010)
Erst Berlin,
dann Hamburg, jetzt Sachsen-Anhalt - immer mehr Bundesländer
erhöhen die Grunderwerbsteuer. Bis vor einigen Jahren lag
der Satz bundeseinheitlich bei 3,5 Prozent. Im Jahr 2007 preschte
Berlin mit 4,5 Prozent vor, 2009 zog Hamburg nach, seit 1. März
2010 gilt auch in Sachsen-Anhalt der höhere Satz. In Bremen
gibt es schon sehr konkrete Pläne für eine Erhöhung
2011.
Die Grunderwerbsteuer
wird in der politischen Diskussion kaum beachtet. Dabei spült
sie mehr Geld in die Kassen als andere Steuerarten, die viel stärker
im Fokus stehen, z.B. die Erbschaftssteuer. Eben weil sie vergleichsweise
wenig Beachtung erfährt, aber ordentliche Einnahmen beschert,
ist zu befürchten, daß weitere Bundesländer nachziehen
werden. Je größer die öffentlichen Defizite, desto
kleiner die Zurückhaltung der Haushaltspolitiker.
Damit wird
es für Investoren immer unattraktiver, Wohneigentum zu erwerben
- egal ob es sich um Eigennutzer oder Kapitalanleger handelt.
Schon jetzt ist die Wohneigentumsquote in Deutschland sehr niedrig
im europäischen Vergleich. Während in Irland acht von
zehn Wohnungen vom Eigentümer selbst bewohnt werden, in Großbritannien
und Italien sieben von zehn, sind es bei uns in Deutschland gerademal
vier von zehn. Schlechter schneiden nur die Schweizer ab.

Diesen Rückstand
werden wir so schnell nicht aufholen. Denn ein Blick in die Zahlen
des statistischen Bundesamts zeigt, daß sich immer weniger
Bundesbürger den Traum vom eigenen Haus erfüllen (können)
. Wurden 2002 noch 135.000 Einfamilienhäuser errichtet, waren
es 2008 nur noch 79.000. Nun muß man nicht immer zwangsläufig
neu bauen, wenn man in den eigenen vier Wänden leben will.
Auch der Kauf eines bestehenden Hauses oder einer schicken Eigentumswohnung
kann eine Alternative sein. Dafür müßte der Staat
allerdings bessere Rahmenbedingungen schaffen. In den letzten
Jahren hat er das nicht getan - im Gegenteil. Die Eigenheimzulage
wurde Ende 2005 abgeschafft, Wohnriester ist zu kompliziert und
spielt daher faktisch keine Rolle, und nun die Erhöhung der
Grunderwerbsteuer.
| Fertiggestellte
Wohngebäude |
mit 1 Wohnung
(EFH) |
mit 2 Wohnungen |
mit 3 oder
mehr Wohnungen |
| 2002 |
135.257 |
37.628 |
79.713 |
| 2003 |
131.820 |
33.338 |
70.354 |
| 2004 |
144.095 |
33.118 |
69.387 |
| 2005 |
120.781 |
28.288 |
60.891 |
| 2006 |
123.963 |
25.500 |
69.362 |
| 2007 |
101.144 |
22.896 |
59.859 |
| 2008 |
78.885 |
17.484 |
54.615 |
Quelle: Statistisches Bundesamt
Ähnlich
bescheiden sind die Rahmenbedingungen für Investoren und
Kapitalanleger. Der Wegfall der degressiven Abschreibung hat auch
den Mietwohnungsbau gebremst. Die Zahlen sind eindeutig: knapp
80.000 fertiggestellte Mehrfamilienhäuser 2002, gerademal
55.000 Fertigstellungen im Jahr 2008. Die Auswirkungen sind deutlich
spürbar. Für 2010 erwartet der Immobilienverband Deutschland,
daß die Mieten auch künftig flächendeckend steigen.
Selbst in einer Stadt wie Leipzig läßt sich dies nachvollziehen.
Nach Recherchen der HypoVereinsbank sind die Mietpreise für
Wohnungen in guten Lagen innerhalb von drei Jahren um einen Euro
pro Quadratmeter gestiegen. Sogar mittlere Lagen haben im Schnitt
einen halben Euro zugelegt. Zum einen bedeutet das bei einem Mietniveau
von 5 bis 7 Euro einen satten Aufschlag. Zum anderen ist dies
in einer Stadt mit knapp 14 Prozent Arbeitslosigkeit und einem
Leerstand von rund 38.000 Wohnungen eine bemerkenswerte Entwicklung.
Auch für den Mietwohnungsbau ist die Erhöhung der Grunderwerbsteuer
das falsche Signal.
Wenn die Wohneigentumsquote
steigen und der Mietpreisanstieg gebremst werden soll, dann müssen
bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Denkbar wären
folgende Maßnahmen:
- die deggressive
Abschreibung bei vermieteten Immobilien sollte zeitlich befristet
wiedereingeführt werden
- Wohnriester
muß verschlankt und vereinfacht werden
- Erstkäufern
könnte die Grunderwerbsteuer erlassen werden
- die Grunderwerbsteuer
darf nicht erhöht werden
Zum Schluß
soll der Präsident des Verbands Wohneigentum Hans Rauch zu
Wort kommen. Zur Erhöhung der Grunderwerbsteuer in Sachsen-Anhalt
meint er: „Dies ist das vollkommen falsche Signal für
die ohnehin stark angeschlagene Immobilienwirtschaft in Sachsen-Anhalt.
Der Wille, im Land zu bleiben,
hier ein Haus zu bauen und sein Auskommen zu finden, wird massiv
untergraben.“
Dem
ist nichts hinzuzufügen.
Herzlichst
Ihr

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